Netzpolitik

Soziales Netz

Soziales Netz

Die Richtung, in die sich das Internet dank der Datensammelwut sozialer Dienste, der Werbeindustrie und deren Profitgier entwickelt, missfällt mir.

Soziale Medien, so steht es in der Wikipedia, sollen es Nutzern*innen ermöglichen, sich untereinander auszutauschen. Dafür brauchen wir das Web, beziehungsweise Internet und sonst nichts.

Facebook strauchelte gerade, weil Cambridge Analytica enorme Datenmengen zur Manipulation von US-Wählern missbraucht hat. Die gleiche Firma hat den Brexit mitzuverantworten.

Trotzdem machen viele weiter wie bisher. Dem Ärger über diese Skandale wird natürlich auf Facebook und Co Luft gemacht. Weiteres Wasser auf die saftigen Wiesen der Walled Gardens.

Der Gedanke, der dem Web zugrunde liegt, ist ein anderer – auf der ersten Webseite wird er genannt: Universeller Zugriff auf ein großes Universum von Dokumenten.

Der Austausch von Informationen über Grenzen jeder Art hinweg war das Ziel, dass Tim Berners-Lee verfolgte, als er seinem Arbeitgeber das Projekt WWW vorschlug.

Genau das ist der Hauptgrund, warum ich mich von Anfang an bis heute so sehr für das Web begeistere. Jeder kann Informationen aus der ganzen Welt erlangen und selbst bereitstellen.

Sharing is caring

Profitgier, die daraus resultierende Datensammelwut der Dienste und der Verkauf ihrer Nutzer an die Werbeindustrie sorgen dafür, dass mir schlecht wird.

Die meisten Menschen nehmen das Problem nicht wahr, sind zu bequem, beziehungsweise zu geizig oder haben nicht das nötige Wissen, um sich ohne diese Dienste zu vernetzen.

Dabei haben wir alles was wir brauchen, um das Web auch ohne Facebook und Konsorten als soziales Medium zu nutzen. Dank Open-Source-Software ist das für so gut wie jede*n erschwinglich.

Durch Ping- und Trackbacks erhält man Nachricht, wenn sein Artikel in einem anderem Blog erwähnt wurde. Dort kann man kommentieren und diskutieren. Im Idealfall werbefrei.

Man muss auf nichts verzichten – im Gegenteil, eigene Inhalte bleiben eigene Inhalte, es können beliebige Funktionalitäten hinzugefügt und Trolle geblockt werden.

Who cares?

Das Schlimme ist, dass die meisten der Internet-Nutzer*innen, sich keinerlei Gedanken darüber machen, was die Firmen und ihre finanziellen Interessen für das gleichberechtigte, offene Netz bedeuten.

Netzneutralität und Informationsfreiheit interessieren nicht, so lange der Mobilfunk-Provider den Stream nicht vom monatlichen Datenvolumen abzieht und die Zeitung kostenlos gelesen werden kann.

Die Masse versteht nicht, dass die Gefahr groß ist, dass eine der großartigsten Erfindungen kaputt gemacht wird – zum finanziellen Vorteil weniger aber zum Schaden aller. Wirklich sozial ist bei den Facebooks, Instagrams und Twitters dieser Welt nichts.

In meinem Leben spielt das Netz und die Möglichkeiten, die es mir bietet eine große, eine mir wichtige Rolle. Entsprechend besorgt beobachte ich wozu auch mein digitaler Lebensraum von Politik und Wirtschaft missbraucht wird – wie Menschen ausgespäht und manipuliert werden.

Wer fängt an? Vernetzung braucht mehr als Eine*n – mein Wunsch nach Veränderung kann noch so stark sein, allein bewege ich nichts. Ich wünsche mir, dass die Menschen, denen viele andere zuhören, ihre Inhalte im freien, öffentlichen Raum publizieren und in den sozialen Netzwerken maximal noch darauf verweisen.

Mein Ideal wäre es, wenn Internetpräsenzen selbst verwaltet, und dezentral betrieben würden. Wenn die Vernetzung der Menschen im Netz ohne Proxy möglich und jedem*r selbstverständlich wäre. Die Werkzeuge und das Wissen sind da, ihr müsst sie nur noch nutzen.

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